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ANSICHTEN
EINES HUPF-DOLL
Gestatten, Muskin mein Name, Bertram Muskin. Meine Eltern sind
deutschstämmig.
Isoliert stehe ich da wie der Fels in sogenannter Brandung. Ich höre
noch das Rauschen der Wellen- etwas schroff vielleicht, ein wenig
verbogen, bestimmt, die Krümmung der Erdachse beschreibend,
wahrscheinlich. Ich für meine Wenigkeit komme allerdings ganz aus
Polen, von der Schüppe auf sozusagen. Trotzdem ist es mir bisher
nicht gelungen so etwas Erstrebenswertes wie ein Nationalgefühl zu
entwickeln. Das große Gehabe einer zwanghaften Zugehörigkeit
ist
mir fremd geblieben. Allenfalls bemühe ich mich darum so zu sein,
wie es die Zeit verlangt. Ein bischen Deutscher bleibt man immer.
Diesen Text kann man auch ganz unpolitisch verstehen und so sollte
er auch verstanden werden. Sind Sie auch nur eine SORTE? Sind
Ihnen Menschen bekannt, die selbst unter Ihnen wählen könnten?
Welche Wahl hätten Sie dann? Könnte man Sie an Ihrem
Hemdsärmel einwandfrei identifizieren? Ist Redlichkeit verletzend?
Warum darf ich nicht traurig sein? Ein ganz klein wenig rollen doch
die Tränen, weil man im Grunde keine echte Heimat hat. Oft steht
man arg verstohlen da und wagt schüchtern den Blick über die
Grenze, sieht all die freien Menschen im Einklang mit sich selbst
hantieren und versucht noch einen draufzusetzen.
( Der Kaffee gerade war bestimmt vergiftet. Muß schon, - sonst
könnte man das ja nicht ertragen.) Ein bischen deutsches Blut auf
polnischem Boden scheint also geneigt dazu, Gärblasen ins Volk zu
treiben.
Verloren sind viele, frei nur die Wenigsten. Der Sinn so mancher
Tradition erschließt sich oft erst im Schicksal des Einzelnen. Wie
gerne hätte ich im Schützenverein den Vogel abgeschossen und
anschließend im Suff auf offener Strasse meine Frau verprügelt.
Wie
gerne hätte ich dabei geschriehen: "Mutter, Mutter!, warum liebst
du
mich nicht?! Meine Liebe zu dir ist unermeßlich, offen, frei und
einfach da! Wie soll ich dich auch lieben können, wenn du verlangst,
daß ich dich lieben soll, weil du meine Liebe brauchst? Du lebst
doch
nur das Verlangen nach Liebe, weil du gar nicht weißt, was Liebe
ist.
Was verlangst du da von mir? Du bist in tiefster Not und brauchst
meine Hilfe, ich brauche sie doch auch und kann sie dir nicht geben,
so sehr ich mich auch bemühe! Du malst nur wirre Kreise in die Luft,
die selbst Zeppeline am tiefblauen Herbsthimmel in ihrer deutlichen
Langsamkeit unlängst nicht besser beschrieben! Zu weit geht mein
Blick, als daß ich dich vergessen könnte. Ich muß zu dir
und will doch
weg!
(für Matthias)
© Schorsch Rikken
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