|
Jedes Wochenende
durchfrieren zwischen Industriegebiet und Bahnstation. Eisige
Augen, schwere Schritte, Zeit unter den Wolken. Geschlossene Münder,
wehende Haare, Blicke zum Asphalt. Betrachtung der Steinwüste und
seiner Haarrisse. Mäntel umhüllen menschliche Sehnsucht im
zwanzig Minuten Takt.



Du fehlst mir so
– wie du hüllenlos den Atemrauch der Stadt wiedergibst. Du
fehlst mir so – wie du mich Fragen stellen lässt und meine Wärme
sich deinem Frieren in der Kälte widmet. Nach jedem Gespräch
eine Tasse Kaffee am Stand vor der Bushaltestelle, dazwischen
wilde Küsse du fremde Freundin an der Station. Du verabredete
Nichtverabredung abseits der schimpfenden Menschenmassen über die
Verkehrsgesellschaft. Ich hab dich immer wieder hergeträumt –
dein helles Lachen im Herbstlicht und lass die anderen doch ihre
Termine verpassen. Fünf Minuten, vielleicht acht mit dir im Park
vor dem Friedhof verschwunden. Niedergesunken auf dem weichen
Rasen, die Knie eingetaucht in die Erde mit herabgelassenem Visier
und offenem Schweinestall. Sich fest angefasst, die Hände
ineinander vergriffen. Zahn auf Zahn die Bisse gespürt, meine Hände
in deiner Bluse.


Blut geleckt –
Bus für Bus lachend und befriedigt heim gefahren.



Schienenersatzverkehr
– immer alleine – immer billig und notgeil. Warum warst du nie
da? Warum musste ich immer nur an mein ausdenken, was dich dachte
– denken?
22. November
2002
Fotos:
Matthias von Schramm
|