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(Treffen mit Verena (Schatz), Nizza und Madonna)
20. Februar 2003: Der frühe Morgen wäscht den Stein in der Augenhöhle aus. Aufstehen, Kaffee, Computer an. Dann administrieren im Forum der Gruppe vier w. Wieder einen Kaffee. Meine Frau sagt, es ist Zeit Luft zu holen, draußen scheint die Sonne schön. Es ist aber kalt dieser Tage in Hamburg, kalt wie das schlichte blau auf schneeweiß im Forendesign auf dem Bildschirm. Ich muss ja sehen was los ist, sage ich zu meiner Frau, ich bin ja Administrator und von dem wird so was verlangt. Meine Frau schüttelt liebevoll den Kopf und sagt, dass ich mir noch ein Brötchen schmieren sollte. Immerhin schmiert sie es mir nicht, denn ich soll ja selbständig bleiben und vor allem körperlich real. All meine virtuellen Abenteuer machen nicht stark, sondern Laptopaugen und eine Mauspadnase.
Ein User bittet mich ein zuviel gepostetes Gedicht einmal zu löschen, ein anderer fragt mich, wie er sein Avatar hochspielen kann. Geduldige, freundliche Antwortsätze erscheinen auf meinem Bildschirm in der vorgeschriebenen Antwortmaske. Der eine bedankt sich, der andere nimmt es gelassen hin, dass er heldenhafte Hilfe erhält. Der Avatarfritze, der sich bedankt hat, hat es nun hingekriegt, aber das Bild ist viel zu groß und er ist traurig. Mittagspause, noch zwei Anrufe erledigen und dann auch schon los zum Pflegen der Forenbeziehungen in Hamburg. Dafür kommt Schatz extra von Österreich über Lübeck nach HH. Nizza von Großborstel nach Eppendorf und Schatz und ich haben Abends noch ein forendienliches Treffen bei Madonna in Eppendorf.
Schatz hat mir eine wunderbare SMS gesendet und ich bin schon unterwegs zum Treffpunkt. Sie schreibt mir, dass sie ungeheuer heiß darauf ist, mich im grauen Tunnelgeäst der Station Berliner Tor zu treffen. So können wir unter den Straßen der Hansestadt eine irrsinnig romantische Begrüßung vollziehen und uns nach dem morgendlichen Blick in das virtuelle Forum auf echtes Tageslicht freuen - später.
Es ist 15 Uhr 30: Strahlend in Tücher gehüllt und ohne Korsage steht mir Verena, der Schatz gegenüber. Große Augen, schöne rote Haare und eine schier unbändige Freude mich zu sehen. Mehr noch fühlt sie sich vom Hunger getrieben. Wir nehmen die U2 bis Jungfernstieg. Auch wenn wir, wie es sich gehört nicht darüber sprechen, fällt mir auf, dass sie mir kein aufregendes Dekollete anzubieten hat, aber es ist erstens die Jahreszeit, zweitens trafen wir uns mit Dekollete letzten August und drittens hab ich mir nichts anmerken lassen. Beim umsteigen im Jungfernstieg pfeift sie sich gierig und nach kurzer Nacht (obwohl sie wenig mitgenommen aussieht) so ein Bahnhofsbrotteil rein. Sie findet, dass ich wegen der Termine ein Stresser bin.
Um vier wollen wir Nizza am Bahnhof Kellinghusenstraße treffen und weil ich so stresse, fragt sie mich fortwährend, ob es sich noch ausgeht. Das sagen die in Österreich so: wie ich finde eine durchaus vortreffliche Formulierung.
Die richtige U1 Richtung Kellinghusenstraße kriegen wir dann auch noch locker. Die Bahn steigt ans Tageslicht und es ist unwahrscheinlich sonnig. Ein Friedenstaubenhimmel legt sich über das Getrappel und Gebrabbel der Passagiere. Seit ein paar Tagen hat Nizza ein Avatar im Forum. Ein Herr mit Brille, also werden wir ihn sofort erkennen, denke ich. Ich bin aufgeregt, denn schließlich ist Nizza ein ausgesprochener Hamburgexperte. Er hat die Stadt zu einer Zeit erlebt, als ich noch nicht geboren war und dies auch noch ausgesprochen unglücklicher Weise nicht in Hamburg. Ein hochaufgeschossener Herr mit Hut begrüßt uns. Er winkt freundlich erfreut und seinem Hamburgexpertentum entsprechend gezügelt. Ich begehe den unfasslichen Fauxpas voran zu gehen und ihm vor der Dame die Hand zu reichen. Er bemerkt es sogleich, aber ich kann im Nachhinein nur sagen, es kam durch meine Aufregung. Natürlich muss uns etwas vom Hamburg-Nizza geboten werden. Eine gemütliche Stunde im Schanzenviertel beim Weinjosef oder ein Tee bei Nizza daheim. Wir bekommen beides. Zielsicher steuert uns Nizza zum Josef.
Bübisch erfreut mit sichtbaren Glanz in seinen Augen hinter der runden Brille sagt er, dass wenn bei Josef Licht ist, dann dort offen ist und er stellt beim einparken fest, dass Licht ist. Schatz und ich trinken Kaffee. Der Josef, auch mit runder Brille bietet Nizza einen Wein an. Weißwein am Tag mit Kuchen ist für Nizza Luxus, drum genießt er es. Fruchtig, leicht und angenehm, aber nicht zu lieblich und Josef hat gar eine Waffel für uns gebacken. Der Laden ist dunkel und läuft unter dem, was originell gefunden wird und da passt schon ein Waffeleisen versteckt unterm Tresen dazu. Das Olympische Feuer, dieser Kultgrieche ein paar Häuser daneben ist auch dunkel und klein und uralt, wie Nizza weiß, aber von ihm zu sprechen ist ein kleiner Fehlgriff. Nizza ist diese Höhle zu schmuddelig. Ich muss mir immerhin auch eingestehen, dass ich mich in meinem bisherigen Leben wenig mit Weinproben auseinandergesetzt habe. Ich habe ihn einfach immer nur getrunken, den Rebensaft und irgendwann so gekauft, dass ich keinen schnellen Kopf mehr bekam.
Als Administrator darf natürlich die Frage nicht fehlen woher die Nick Nizza stammt. Nizza beteuert einen starken Bezug zu der Stadt und Schatz findet ich habe eine gute Frage gestellt.
Teetrinken in Großborstel, denn bis sieben wollen wir bei Madonna sein: Nizzas schwarze Limousine bringt uns in eine Villengegend und zu einem alten Haus, in dem er lebt. Ein brauner, kalbartig großer junger Hund begrüßt uns stimmlos, aber ein wenig aus dem Häuschen. Liegt wohl am Alter.
Bei Rooiboshtee gibt es einen Wintergartenblick zu Nizzas Arbeitshäuschen, welches im Garten steht. Dort bezieht sein Sohn aber gerade Nachhilfe. Sonst arbeitet dort Nizza und blickt mittels Internet ins Vier w Forum. Ein historischer Ort also, der historische Ort des Tages.
Die Dämmerung macht mich leicht müde und hungrig, aber Nizza verspricht uns zum Abendessen bei der Madonna vorbeizufahren. Nachdem er uns schon bei Josef einlud, ein durchaus feines Sozialverhalten eines unserer Forenmitglieder. Ich notiere das seelisch. Als Bodyguard von Schatz helfe ich ihr noch rechtzeitig in den Mantel. Sie ist verdutzt, aber auch ich entwickle mich natürlich auf bestimmte Weise und zudem bin ich ja als Administrator zu einer gewissen Mitgliedspflege verpflichtet.


Fotos Madonna und MVS
Madonna erwartet uns hinter dampfenden Töpfen mit höchster Sehnsucht. Natürlich erwartet sie Verena sehnsüchtiger, drum lass ich diesmal der Dame den Vortritt um nicht wieder den gleichen Fehler wie ein paar Stunden zuvor an der Bahnstation Kellinghusenstraße zu machen. Dennoch gleicht sich alles wieder aus, denn Verena lebt vorwiegend vegetarisch, drum bleiben die meisten Frikadellen für mich. Außerdem hat Madonna für genug Bier gesorgt, dann lässt sich’s leichter über Literatur plaudern. Madonna spricht es freilich an, dass ein Dekollete, ein schönes von Schatz erfreulicher gewesen wäre, aber wie ich vermute und wie es mit der Rollenverteilung ist, darf sie das auch erheblich eher als ich. Das wird auch im Verlauf des Gesprächs deutlich, da mein niedliches Kinderavatar mir aus Sicht der Frauen keinen Gefallen tut, weil mein wahres Gesicht gegen diese Kinderschönheit ein Griff ins Klo sei. Ich bedanke mich recht herzlich für diese vollkommene Artigkeit an Komplimenten. Wieder sollen Fotos auch dieses Treffen dokumentieren, immer ist das Licht nicht richtig, aber die Wangen von Schatz und meine nur bedingt niedliche Fresse werden doch noch trefflich getroffen.
Schatz muss noch zum Bahnhof traurigerweise für Madonna und mich, aber auch das wird sich mit dem entsprechenden Zug noch ausgehen.
Daheim angekommen sendet Verena Kurzmitteilungsgrüße via Vier w Bildschirm aus Lübeck. Ich winke noch einen lieb gemeinten Gruß zum Schatz und klappe dann mein Notebook zu. Jetzt ein frischgemachtes Bett nach diesem anstrengenden Administratorentag.
23. Februar 2003
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