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Es ist Freitag Morgen, der 20. August 2004. Ich treffe um zwölf Uhr Mittags den Möhre am Friedrichsberg in Hamburg eine Frühstückswurst abfassend. Der schwarze Daimler wartet um die Ecke. Wir fahren beinahe pünktlich los in Richtung Osnabrück, wo uns ein privater, halboffizieller Rahmen erwartet. Auf Regen folgt Sonnenschein, auf freie Bahn der kopfgesteuerte Betriebsstau der Wagenlenker. Der Möhre ist Profifahrer, an uns kann es also nicht liegen. Am Bahnhof sammeln wir noch die Dessouschefin Christina ein, die wie immer fröhlich aus einem prallvollen Zug Richtung Amsterdam steigt. Sie will kurz noch einmal in einem typischen am niedersächsischen Südzipfel liegenden Hauptstraßenhotel mit dem Hang zum westfälischen Charme einchecken. Wieder scheint die Sonne denn Osnabrück ist auf seine sehr spezielle Weise glücklich.
Wir suchen die Wohnung unserer Gastgeberin Trist, finden ein farblich kontrastreiches Haus und auf Grund unserer Adressenkenntnisse halten wir. Der Möhre, Christina und ich stürmen zur Tür. Außer der Gastgeberin, die herzlich strahlt, sehen wir Anna und Madonna, die schon vor uns eingetroffen sind. Der Olli und Hausherr sagt Guten Tag. Ein junger überbordernder Collie begrüßt uns auch, sowie ein gewisser Paul. Kaffee, Campari in bunten Gläsern und Mixgetränke gibt es zur Einstimmung. Hinaus in den überaus großzügig angelegten Garten, denn die Sonne scheint oder es regnet grade nicht. Wir arbeiten uns zunächst noch nicht in die geistige Tiefe unserer geheimen Absichten, da noch Angelika und Fenestra zu erwarten sind. Traurigerweise sagt Angelika aber kurzfristig ab, mit Fenestra erscheint dann bald ein neues Gesicht. Wir können Platz nehmen, mit dem Murphyhund spielen und Grillen und uns heftige lecker angerichtete Salatmassen reinpfeifen. Christina, die ihre Kamera vergessen hat (immerhin die Kamera des Jahres in Europa und Japan) sagt, ich soll Paul fotografieren. Also fotografiere ich Paul. Madonna und Christina machen Ringelreihen und Gartenspiele, Fenestra verrät Kräuterrezepturen dazu. Sie weiß viel, ich nehme den Wein in mir auf und sehe Fenestra ist also kein Betriebssystem für Computer und auch kein offenes Buch, sondern ein neues Fenster unserer Welt.
Es wird kühl, der Abend wird lang, wir lesen unter uns erleben Gedichte text für text, häkeln uns da mühsam durch, haben aber tolle Aha - Erlebnisse. Fenestra will immer Gute-Nacht-Geschichten von den Herren. Ich lese von einem Bauern, der in der Stadt sein Frühstück verpasst hat. Es wird spät, der Möhre und die Anna lesen leider nicht mehr.
Christina, Fenestra und Anna gehen ins Hotel. Madonna, der Möhre und ich haben bei Trist und ihrem Freund Olli gebucht.
Am Samstag Morgen frühstücken wir ausführlich, warten auf Christina, bei der es besonders früh geworden war.
Der Arbeitstag über runde und eckige Tische, rustikal und mit Kopf heiß reden beginnt. Zaghaft, mit und ohne Struktur, emotional aber gemeinsam. Worüber wir sprechen? nun das verrate ich an dieser Stelle nicht. Für 13 Uhr hat sich der Rabe angesagt - Herr Quoth, inoffizieller Moderator, Herr der ausführlichen Vorstellungsrunden. Er begrüßt uns still und freundlich, scherzt über die Farbe seiner Socken und stellt fest, dass ich es also bin. Da widerspreche ich nicht, denn so ist es ja auch. Lebensgeschichten werden ausgepackt, alle lauschen gebannt, in dem sie wild durcheinander Feststellungen machen. Der Rabe ist neugierig und seine Neugier erlaubt uns, mehr über uns zu erfahren.
Er entschwindet, wie er kam und hinterlässt etwas Bleibendes. Einen Eindruck oder so und nicht nur im Sessel. Abends dann der Lieblingsitaliener von Trist. Wir speisen gebührlich, wirken gelöst. Fenestra lässt auf Kamillentee Schnaps folgen.
Anschließend lauschen wir noch der CD von Worpswede 2003. Die, die mitgelesen haben sind teilweise erstaunt sich so zu hören. Ein Erlebnis, welches mich anschließend im Sessel schnarchen lässt. Ich werde von den übriggebliebenen Damen ins Bett gebeten.
Nach einer kurzen Nacht holen Olli, der Möhre und ich Brötchen. Das haben wir fein gemacht, wie Trist feststellt. Stimmt ja auch. Wir bringen alle zum Bahnhof und scheiden ausgiebig. Sonntags auf der Autobahn Richtung Hamburg reden der Möhre und ich über die Eigenart der Frau an sich.
25. August 2004
Fotos: MVS
Ebenso nachzulesen als MVS Kolumne hier
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