(Leseprobe 2003 - Frühjahrversion 2003)
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Dann jedoch wird mein Mutterschiff in den Kreissaal gebracht. Es wird behauptet, ich würde Rabatz machen und müsse schnell raus. Das ist aber gar nicht wahr, ich bin nur auf der Suche nach einem Bullauge um zu erspähen, was sie mit mir vorhaben. Aber es bleibt dunkel. Das hat solange nichts gemacht, solange es immer mollig warm gewesen ist und ich dabei genug Platz in meinem Zimmer hatte. Ich wollte ja schon Renovierungspläne machen. Doch dann wurde es immer enger und auch dafür wurde mir die Schuld gegeben. Sie haben behauptet, ich würde sehr schnell wachsen. Als es fortan ungemütlicher wird, klopfe ich an und da ist gleich von Rabatz die Rede. Auf einmal merke ich diesen seltsamen Sog und kalt wird es und dieses kleine Bullauge, was ich die ganze Zeit gesucht habe, wird zum riesigen Fenster, so riesig, dass mein Kopf hindurchpasst. Ich sehe hinaus, kriege viel Luft, während diese seltsam angezogenen grün gekleideten vermummten Figuren an mir ziehen und mich plötzlich in der Hand halten. Ich werde kurz mit einem Schlauch abgewaschen und mir wird die Anstaltskleidung angelegt: Ein schwarzer Anzug mit Kackvorrichtung am Hinterteil, ein weißes Hemd und eine kleine Fliege am Kragen. Als ich verdattert schaue, sagt eine freundliche Person mit heller Stimme, dass dies die vorschriftsmäßige Tracht ist, solange ich im Hause Gast bin. „Ich beschwere mich ja gar nicht!“, sage ich leicht angenervt. „Nun mal nicht so vorlaut junger Mann!“, sagt die Person. Ich schweige also lieber. Zwei Personen mit dunklen Stimmen, einer im grünem Kittel, die andere im Anzug und mit Zigarre im Mund führen mich in einen Nebenraum. Der eine stellt sich als der Direktor der Pension vor und der andere als der dienstführende Arzt. Ich verstehe, dass dies die maßgeblichen Personen des Hotels sind, so etwas ähnliches wie Vater oder Chef. Diese Worte hatte ich nämlich hin und wieder aufgeschnappt, ich habe sie nur noch nicht so genau verifiziert. Mir wird mitgeteilt, dass ich geboren worden bin, anhänglich Ort, Jahreszahl, Datum und Uhrzeit und den Namen Jonathan Krawittel trage. Ich ziehe eine Babyspeckstirnfalte. „Was dagegen?“, brummt der Direktor. Ich überlege kurz und entgegne dann: „Nö, immer noch besser als Kurt, Hans oder Konrad!“ Der Direktor mit der Zigarre am Mundwinkel, die wie eine Mittelstreckenrakete empor zeigt, hat scheinbar wenig Zeit und noch viel zutun. „Nun mal nicht so vorklug du Säugling!“, raunzt er und hält mir einen Kugelschreiber und ein beschriebenes Blatt Papier entgegen. Hier muss ich unterschreiben, dass die Klinik mich zwar zur Welt gebracht hat mit Hilfe einer Frau namens Mutter, aber dass sie für den Verlauf meines weiteren Lebens keine Haftung übernimmt, weil 1. wäre ja noch schöner und 2. sie da keinen Einfluss drauf hat. Natürlich unterschreibe ich das, denn in dem Fall habe ich Verständnis für die Leute, die machen ja schließlich auch nur ihren Job. ... © Matthias von Schramm 2003 |
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