Lesungen 2005

(Zusammenfassung eines Lesejahres)

Das Lesejahr 2005 beginnt mit einer Mitternachtslesung zum achtzigsten Geburtstag. Tatort ist Pinneberg. Einst der Ort, dessen Berufsschule mich verschlang. Nun philosophiere ich über die Jahre - rede über die eigenen vierzig, denke über fünfzig nach, um schließlich beim Achtzigsten zu enden. Ich schließe mit den Worten:

"Ich fasele dann noch so etwas wie: meine Schwester sei Juristin und ich könne mich nur schwer dieser Verpflichtung entziehen, aber Werte und Normen mit Ausnahme von Briefkastenanordnungen hätte ich nicht anzubieten. Mein Bruder hatte früher wenigstens eine Stammkneipe, die „Stumpfe Ecke“ oder so hieß.

Lesung im Wohnzimmer zum Achtzigsten

30. Januar 2005: Foto: Thomas Krüger


Damit habe ich meine Familienhistorie kompakt und nervös untergebracht. Lena findet das beachtlich. Ich ergänze dann noch, dass mein Vater - der Künstler - sich zum Ziel gesetzt hätte mit neunzig die Decke der Sixtinischen Kapelle zu verschönern – es gäbe da so Vorbilder für das.

„Naja, man muss ja nicht jede artifizielle Glosse kopieren!“, sagt Lena.
„Wenn du deinem Vater etwas Gutes tun willst – dann erzähl ihm einfach von mir!“
„Gut, dass mache ich dann auch!“, sage ich.

Die Familie ist erstaunt und müde nach drei Geschichten. Es ist die erste Lesung vor der eigenen Familie.

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Am 20. März übe ich mich in dem Experiment "Mutterwitz trifft Jonathan". An meiner Seite wahrt Manfred Stock Haltung. Freunde und Zuschauer sind zahlreich in den Eppendorfer Weg auf die Insel gekommen - zu dem ersten Leseereignis da unter dem Label text-fuer-text. Manfreds erste Lesung und meine erste mit echtem Publikum wird zum Erfolg. The best event ever. Ich ziehe einen Schlußstrich unter Worpsweder Vorgeplänkel. Hier beginnt zum Frühlingsanfang unter der Sonne Hamburgs eine neue Ära. Nach der Gründung von text-fuer-text 2004 nun auch live.

Klasse Publikum auf der Insel Manfred und ich lesend

20. März 2005: Fotos: Madonna

Gespannte Haltung

20. März 2005: Foto: Annette Krüger

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Bereits einen Monat später erfolgt mit dem gleichen Programm der Tiefpunkt des Jahres. Das Scheitern in Othmarschen wird zu einem beherrschenden Thema. Die Veranstalter wollten Schauspieler und keine Autoren. Dementsprechende Resonanz. Manfred und ich mühen uns. Aber vergeblich. Eine wichtige Erfahrung.

Das kleine Cafe in Othmarschen vor der Katastrophe Wir gaben und redlich Mühe gegen unsägliche Umstände

17. April 2005: Fotos: Madonna

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Im Mai kehre ich in die Insel zurück. Ich halte vor Dias eine Laudatio für meinen Vater. Er stellt seine Radierungen dort aus und ich bin für den geschichtlichen Abriss dieser Kunst zuständig. Eine ganz neue Erfahrung, die auch wesentlich das Thema Hamburg mit beinhaltet. Ein

schönes Erlebnis. Ich lese stehend hinter einem Pult; sogar einem Stehpult und bin bewegt und beweglich. Ein wenig gebe ich auch aus meinem Hamburgbezug zum Besten:

Dialaudation auf der Insel stehend

21. Mai 2005: Foto: Madonna

Am Hauptbahnhof steigen die Touristenfamilien zu, die laut schwäbisch, sächsisch und bayerisch austauschend auf dem Übersichtsplan die Landungsbrücken suchen. Sie wollen Schiffchen sehen, die in der Wasserwand nach Meer und Öl duften. Ich schweige hungrig, mich nur Mutters Festtagsbraten entgegen sehnend. Erst Holstenstraße merken die Familien, dass sie in der falschen Bahn sind.

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Im Juni dann meine zweite Wohnzimmerlesung des Jahres. Der Andreas, der mein Freund ist hat sie schon im Februar zum Geburtstag bekommen. Seine belesener Freund ist da und der Chefredakteur der Notes samt Freundin. Es wird ein schöner intimer Abend mit Textanalyse im Lunapark zu Hamburg Altona. Leider fotografiert mich keiner, so muss ich es selber tun ;)

Eine Lesung mit Motto

25. Juni 2005: Foto: MVS

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Am 27. August dann; haben Manfred Stock und ich eine Lesung im Glaspalast zu Schwerin bei meinem alten Freund Robert Zobel, der mit der Lesebühne Schwerin etwas total Konstruktives auf die Beine stellt. Der Glaspalast ist das PDS Büro, was das ganze zu einer skurillen Geschichte macht. Das alte Programm gibts da nicht mehr, denn aus dem gescheiterten "Mutterwitz" die Falten rauszustreichen ist Manfred und mir dann doch zu mühsam. Robert bringt uns in einem schönen Hotel für lau unter und die ganze Sache wird ein echter Erfolg.

Der Robert und ich vor der Lesung

27. August 2005: Foto: MVS

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Der Höhepunkt des Jahres (auch wenn Manfred das nicht so gern hören mag) ist die Lesung auf der Insel mit Jörg Borgerding aus Celle und meinem Freund Wolfgang Ratz aus Wien. Ich moderiere literarisch und wir drei stellen uns wieder unter das Label text-fuer-text.de und unter das Motto: "Drei Flüsse". Der Abend des 23. September bleibt unvergessen.

Jörg und Wolfgang auf der Insel

23. September 2005: Fotos: MVS

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Am 8. Oktober gehts zurück nach Schwerin zum Freund Robert Zobel. Zwei Freundinnen aus meinem Forum Sigrid Kriener (Madonna) und Angelika Wildegger lesen diesmal im Café Domwinkel. Wieder ist alles wunderbar organisiert. Die Hotels geben ein warmes Bett und das Publikum ist interessiert und ich moderiere wieder. Am Ende überreicht uns der Robert Spitzkohl.

Angelika und Madonna im Domwinkel

8. Oktober 2005: Fotos MVS


25. November 2005

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