Käthes kleines Klassentreffen
 



Käthes kleines Klassentreffen

(Leseprobe 2004 - tft - version 2004)

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Lauter mitteldralle Frauen in unterschiedlichster Unterwäsche, eingehüllt in Parfümwolken und wie braunes Laub vom Himmel fallende Frauenkleidung. Erschütternd sind die zärtlichen und verständnisvollen Figurproblemblicke, die Käthe mit ihren Freundinnen austauscht. Bestürzend ist das Vergnügen, welches die insgesamt vier Damen auf der spontan inszenierten Dessousparty haben. Auf dem Beistellsofa, dort wo es Käthe und ich immer wieder gerne und selbst nach dem essen treiben hat die Üppigste in einem schlankmachenden Gummislip Platz genommen. Sie ist schwer errötet vor Vergnügen und lacht aus voller Brust.

Ich stehe also quasi unfreiwillig zwischen einem ausladend fraulichem Fest und mir, als plötzlich einvernehmliches Schweigen den Raum füllt. Ich werde barmherzig betrachtet, die Runde gönnt mir ihr Mitleid. Käthe schlägt die Augen hoch und ich – so sehr Fehl am Platze – entsinne mich endlich, dass heute Käthes kleines Klassentreffen mit ihren alten Kameradinnen stattfindet. Möglichst unangenehm gerührt möchte den Raum verlassen, als Käthe mich unverhofft mit ihren Busenfreundinnen bekannt macht.

„Das sind Eva, Maria und Susanne!“, sagt sie geschmeidig gefasst.

„Mein Freund Jonathan!“, sagt sie. Ich nicke und starre in belustigte Frauenaugen und denke an Obstsorten: „Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Melonen, Kürbisse, Weintrauben.“ Eigentlich seltsam, dass weibliche Formen immer an Obstsorten erinnern. Vielleicht eine späte Mahnung, weil ich früher Mutters Obst zwischen dem Schulbrot so ungern aß. Vielleicht eine männliche Flucht, eine gedankliche Nische aus der bedrohlichen Welt der Frauenwäsche. In dieser Massivität stellt sie für mich eine Bedrohung dar, so wie damals als Knabe die Wäsche der Mutter.

Zuhause gab es einen Partykeller in dem ein gemütlicher Ohrensessel der einzige Rückzugsort war, auf dem ich – mich in der Adoleszenz befindend – masturbierte. Eines Tages lag auf diesem Sessel Mutters ausgelüftetes Korsett und ihre frisch gewaschene wollende Unterhose, die für mich beängstigende Ausmaße hatte. Nie wieder masturbierte ich an diesem entweihten Ort und wurde zum Streuner und Straßenkid.

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