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Inseltreffen für Mutterwitz und Jonathan
(Insel Hamburg Frühjahr 2005)
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Der Morgen des 20.3. auf der Insel - Foto MVS
Ziel ist es, ein Programm mit dem Namen: „Mutterwitz trifft Jonathan“ aufzuführen, mit der Geschichte „Mutterwitz trifft Jonathan“ und dem Satz „Mutterwitz trifft Jonathan“ zu beenden. Ziel ist es weitgehend ohne blöde Anglizismen auszukommen und dennoch eine Englisch-Kompatibilität für den späteren Welterfolg herzustellen: motherjoke meets jonathan! Wochenlang arbeiten der Möhre und ich an dieser Idee. Sie ist kaum zeitraubend, aber teuer, weil wir uns meistens im „Goldbeker“ treffen, wo das Essen lecker ist und das Bier das Verbindungsbrot für den Künstler darstellt. Manchmal treffen wir uns auch mit einer D.Jane mit zwar langen blonden Haaren, allerdings wie sich rausstellt ohne Anlage und auch gewissermaßen wenig Jane, ohne ihr zu nahe treten zu wollen. Trotz ihrer weiblichen Attribute schmeiß ich sie also elf Tage vor unserer Lesung bei „Insel e.V.“ raus. Der Möhre und der ich sind nun auf uns allein gestellt. Allein ist übertrieben, immerhin gibt es die Leute der Insel, Annegret – die alles im Griff hat und täglich neue Ideen für einen schönen Verlauf einer Matinee mit unserer Lesung an einem Sonntag entwickelt.
Wir arbeiten also auf eine „Lesung ohne Musik“ hin. Eine neue Kunstform also und einzig vermisse ich die Idee – Ost und Westsandmännchenmelodien einspielen zu lassen, die mit dem Ausscheiden der D.J. Frau verworfen wird.
Frühlingsanfang 2005 auf der Insel - Foto MVS
Freitag, 18. März 2005 du ;)
Gegen 12 Uhr Mittag treffen die ersten kritischen aber wohlwollenden Fans ein. Aus Augsburg sind extra die Ariadna und die Christina gekommen. Ich hole sie vom Bahnhof ab, um mit inhen per U-Bahn bei mieser Nieselregensuppe über den Hafen zu Madonna zu fahren. Großes Hallihallo, Kartoffelsuppe und mit Madonnas Hausherr, ein Mann den nichts mehr schreckt – trotz Erkältung. Ich würde gerne einen langen Tag mit meinen Freundinnen verbringen, muss aber am Abend noch zum Dienst. Da überfällt mich Panik, schließlich haben wir am Sonntag Lesung und das Programm könnte echt zu lang sein. Ich zähle die Seiten und lande bei 34. Ich telefoniere mit dem Möhre, der Verständnis für eine gewisse Panik hat, allerdings weniger für eine Katastrophe. Wir verbleiben so, dass wir am nächsten Tag auf der Insel im Eppendorfer Weg noch mal ausführlich proben.
Möhre und MVS in Aktion - Foto Madonna
Samstag, 19. März 2005 ich ;)
Mitten in Hoheluft West vor der Insel (INtegriert und SElbstbestimmt Leben) treffe ich Annegret und den tapferen Helfer Rüdiger, der so gebraut und gebaut auch nur in Hamburg vorkommt. Er sieht mich, erkennt mich vom letzen Schmökercafè von vor zwei Wochen (siehe Märzkolumne) und besitzt ein Gesicht, welches soviel Freundlichkeit ausdrückt, wie Dittsche, der im Imbiss gegenüber Sonntag für Sonntag seine Weisheiten zum Besten gibt, nicht in hundert Fernsehfolgen an den Tag zu bringen vermag. Mir wird schnell klar: mit dem Aufbau der Stühle und der Probe und so werden wir Spaß haben. Während Rüdiger und ich unsanft einen Tisch zerlegen, trifft der Möhre ein. Dieser Mann hat timing. Wir stellen die Klingel auf null – Möhre steigt auf eine Leiter, die aus Metall ist und daher gewissermaßen nicht morsch sein kann. Wir vermischen blaue mit hellen Holzstühlen, üben das Probesitzen und verschaffen trotz trüben Wetters dem Raum eine Atmosphäre, die nach: morgen findet hier das Programm mit Möhre und MVS statt; aussieht.
Ernsthafer Euphismuns du - Foto Madonna
Ungestört dürfen der Möhre und der ich unser Programm mit Stühlen aber ohne Publikum proben – zumindest die langen Texte, wie den noch nie veröffentlichen Abschlusstext mit dem genialen Titel: „Mutterwitz trifft Jonathan“. Herrlich oder? Wir landen nach unserer Rechnung bei einem Programm von ca. 100 Minuten in zwei Teilen, um genau zu sein, eigentlich von 102 Minuten und wenn wir Glück haben sind wir ein paar Sekunden schneller und mit Ansagen ..., ach Schwamm drüber – zum Kürzen fehlt uns gewissermaßen die Handhabe, die Chuzpe und der Mut sozusagen.
Ein herrliches Publikum - Foto Madonna
Anschließend bringt Möhre mich in die Innenstadt, verpieselt sich wieder, weil er ja immer so beschäftigt ist und ich treffe die drei Frauen von gestern erneut, die Shoppen und so waren. Fisch haben sie von Daniel Wischer bekommen, der seit der Hummel-Hummel Zeit einen Laden in der Spitaler hat und irgendwie was für Hamburger und TouristInnen ausstrahlt. In Eppendorf zeigt Christina uns lecker Stiefletten, die sie bei Gundlach gezogen hat. Sie passen zu schönen und minderschönen Hamburger, wie Augsburger Tagen, sowie zu Ringelsocken.
Nach einem kurzen Aufenthalt am Abend ziehe ich mich wieder zurück. Ich gehe früh ins Bett und schlafe relativ mäßig um genau zu sein.
Ein tapferes Publikum - Foto Madonna
Sonntag, 20 März 2005 wir ;)
Etwas früh vor der Hoheluftbrücke angekommen, erlebe ich am Tag unserer Lesung das herrlichste Frühlingsanfangwetter, welches möglich ist. Ich fotografiere in der Roonstraße, schicke dem Möhre noch mal eine nervöse sms, damit er pünktlich ist. Er hat natürlich verpennt, aber leider nur zum Spaß, sonst wäre es echt voll spannend geworden. Sonnendurchflutet diese Insel und Annegret mit ihren drei Helfern arbeitet in der Küche für die Zwischensnacks auf Hochdruck. Um sechs Uhr Morgens ist sie aufgestanden um Vorbereitungen zu treffen. Ich aale mich mit leichten Kopfschmerzen über die letzte Unsicherheit hinweg - im Backstagebereich. Möhre ist da und macht sehr anspruchsvolle Scherze über Kleidung und Frisuren. Wir gehen noch einmal vor die Tür und ich treffe Freunde und Kollegen, Eltern und Sonnenanbeter, den Ingo z.B. und Frank, ein moderner Held, der jede Woche um eine ihm längst gebührende Anerkennung kämpft. Zero the hero! Aus Wedel kommen Tina (mein allergrößter Fan) mit Signaljacke und Getrud. Tinas Sonnenbrille, die Umarmung von Ninja, Mandys lächeln und der Sitz von Patrycks geiler Frisur veranlassen mich zum Rückzug hinter die Bühne. Möhre zieht ein Bier aus der Tasche: genau das richtige jetzt, 0,25 Liter Beruhigung in Form eines Radebergers für jeden. Lesevorlagen liegen schon bereit vor dem Publikum (hoffentlich klaut die keiner) – so jemand wie Clara, der Groupie auf fast allen Lesungen, auf denen ich bisher war. Ich freue mich schon enorm darauf, von ihr in der Pause prima Tipps zu bekommen, wie ich alles besser machen könnte. Ich mache Annegret etwas mit Claras Anwesenheit nervös. Aber Annegret geht mutig raus, sind ja noch knapp fünfzig andere da. Annegret berichtet über die Arbeit der Insel, wir stehen lauschend hinter der Tür, die uns der gute Rüdiger öffnen will. Wir verstehen kein Wort, was im Saal gesprochen wird und Möhre will jetzt das ganze Programm endgültig noch einmal umstellen. Doch dann öffnet sich schon die Tür – ich sehe in Rüdigers Gesicht und alles wird gut. Der Möhre legt seine Cordjacke ab – hängt sie über den Stuhl und ich denke: prima, Arbeit erledigt, wir können jetzt nachhause gehen. Doch dann fällt mir noch dieses fürwahr großartige Stichwort für Möhre ein:
WAS BISHER GESCHAH.
Kontrolle ist besser - Foto Madonna
Wir lesen unsere literarischen Bios. Dann beginnt der Kurzgeschichtenprosadingsbumsteil, welcher im übrigen in der Lesearea ausführlich von der guten Schwerinerin Nikita (die Heike Drechsler unter denen die gekommen sind) nachzulesen ist: http://42547.rapidforum.com/topic=102878859632 Nach stimmlicher Abwechslung ist 55 Minuten später die von uns geplante, aber zu allem Überfluss von Clara geforderte Pause. Madonna und meine Frau haben fotografiert. Wir plaudern draußen und Inselleute fahren ein Büffett auf, welches sich gewaschen hat, aber ich bin höchstens zu einer Tasse Kaffee fähig.
Ganz der Mutterwitz - Foto Madonna
Ariadna macht mir große Komplimente und die liebe Christina auch. Den zweiten Teil eröffnet Möhre und mit „Mutterwitz trifft Jonathan“ mühen wir uns einen Kreis zu schließen. Es ist spät geworden, hektischer Aufbruch ins Zwo11 mit ein paar übriggebliebenen. Möhre, zwei Begleiterinnen, Clara, meine Frau, Madonna, Ariadna, Christina, Nikita und ihr blauäugiger Hans Alberts Jati. Nach diesem Vormittag gibt’s nach einem netten Essen in diesem Zwo11 noch ein schönes Spazieren durch Eppendorf mit Madonna, den SchwerinerInnen und den Augsburgerinnen. Der Rest hat sich derweil abgesetzt, „Mutterwitz trifft Jonathan - zum ersten“ beginnt auszuklingen.
Nah am Volk - Foto Madonna
Schon lange nachdem Jati und Nikita gen Schwerin verschwunden sind, sitze ich noch mit Ariadna, Christina und Madonna versonnen plaudernd und bei einem Glaserl Wein. Es ist fast Mitternacht, als ich mich zurückziehe. Am Nächsten Vormittag ruft mich der Möhre an und sagt: „Ist ganz gut gelaufen wa!“
22. März 2005
Auch als Kolumne hier zu lesen
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