Busentelefone im hanseatischen Dschungel

(Ariadna und Christina in Hamburg)

Dinge über die ich ungern rede und auch noch nicht wusste: Die Körbchengröße einer Frau erkennt mensch am Telefon. Darüber denken Literaten bei text-fuer-text.de pausenlos und Tag und Nacht nach. Unsere Freundin und Kinoleinwandreflektorin Ariadna spricht es aus. Die Jugend darf das.

Die grüne nordische Hauptstadt des Forums hat wechselhaftes Wetter und ich bin in kaum messbarer Aufregung. Filmmoderatorin Ariadna und Dessouschefin Christina kommen nach Hamburg. Von Freitag bis Dienstag, sightseeing-Tage, gemeinsame Überwindung der Sprachwelten. Immerhinque, die beiden Damen reisen aus Bayern an. Madonna und ich haben uns vorbereitet. Wir werden viel wechselhaftes Wetter und Hamburger Tugenden bieten.

Am 18. Juni 2004 treffen Madonna und ich gehetzt am Hauptbahnhof ein. Wir wollen den Schönen einen großen Bahnhof bieten, der angekündigt war. Madonna hat Blüten von der Umgebung gerupft – zum Empfang. Ich erscheine bar und roh. Schließlich bin ich in der eigenen Stadt so wie ich bin. Ein mürrischer wortkarger Forenchef mit Salbeiworten. Eine zurückgenommene ‚Onemanshow’ sozusagen. Die beiden sind bald da, sehr pünktlich und orientiert. Natürlich gab es während der ganzen Zugfahrt nur Gespräche – kein Blick in das ‚text-fuer-text-Deutschland’. Wir zeigen ausführlich den Hauptbahnhof, sorgen für eine Sicht auf das Schauspielhaus und schweben per U-Bahn am Hafen vorbei.

Die beiden wohnen die Tage bei Madonna, ich nach wie vor daheim, auch wenn ich stets dazustoßend, versuche eine Rolle zu spielen. Madonnas Mann Heinz begrüßt uns. Begrüßungsessen, Begrüßungszitate von Ariadna in portugiesisch. Das berühmte ‚Petit Café’ ist voll, Kaffeetrinken in Madonnas Garten auf geträumtem und/oder echtem Bambus. Ariadna hatte so eine Bambuswelt von mir erwartet, ich glaube aber mein bequemer Stuhl daheim ist nur aus Rattan. Wir reden also daher, immer mal Rauchpausen und dann ins ‚Frank und Frei’, in meine Stammkneipe in der Schanze. Wir nehmen den runden Ecktisch am Fenster. Dessouschefin und Filmmoderatorin scheinen sich wohlzufühlen, Madonna und ich greifen zum Bier und ich noch dazu zu ‚Spaghetti Ariadna’ oder so ähnlich. Kurz vor der letzten Bahn muss ich dann nach Hause.

In Madonnas Garten

Am Samstag Morgen, es ist der 19. Juni 2004 erfahre ich, dass es noch eine lange Nacht der drei Damen gab. Ich bin neidisch, habe aber als Geschichte anzubieten, dass am morgen auf dem Eppendorfer Straßenfest Harry Rowohlt mit einem Flohmarktverkäufer verwechselt wurde. Wir frühstücken noch, dann ist Programm und kein Vergnügen mehr angesagt. In ‚Wandsbek Markt’ verkauft die Möhre Gemüse und Käse und hat eine Fotosession mit mir vor. Ariadna und Christina wollen dem beiwohnen und lernen bei dieser Gelegenheit ausführlich Hamburger Verkehrsmittel in Form von Bus und Bahn kennen. Es regnet, ich setze die Sonnenbrille auf und spiele einen Blinden. Christina fotografiert mich und die Möhre. Auch wenn die Blindenbinde ein gut Stück improvisiert ist – eine fürwahr gelungene und für Biogemüse fördernde Geschäftsidee. Wir verabreden uns mit der Möhre Abends bei Madonna, Fußball gucken und Forenphilosophie durchleben und auskauen. Die Möhre hat jede Menge Lust.

Blindkauf bei der Möhre in Wandsbek

Derweil zeige ich mein eigenes Zuhause in Wellingsbüttel. In der S-Bahn bemerkt Ariadna den Hamburger Dschungel um sich herum, so Höhe ‚Ohlsdorfer Friedhof’ etwa. Christina mit eingepackten Weinflaschen aus dem ältesten Karstadthaus Deutschlands kann dem nur zustimmen und ich grinse lokalpatriotisch. Aber es ist eben ein anderes, ein nordisches Grün.

Meine Frau macht essen und freut sich über so besonderen Besuch. In wenigen Minuten erfährt sie mehr von den Damen, als ich in Monaten, deshalb ist sie zu diesem Zwecke auch immer wieder gut einsetzbar. Wir hören Kinski und Kunze. Madonna und der Fußball ruft. Enorm gestärkt schauen wir Deutschland – Lettland. Anregungen zum rosaroten Wettbewerb kommen auf, ansonsten ein lahmer Kick. Nur 0:0, unseren literarischen Anspruch erfüllt das nicht, blutarm und torlos. Außerdem sind in Ariadnas Augen die Portugiesen schöner. Die Möhre ist da – hurra. Cool, wir essen Spaghetti und schauen Holland – Tschechien. Die Tschechen gewinnen 3:2. Ein viel besseres Spiel und Madonna fotografiert für Christina von der Mattscheibe männliche Kickerkniekehlen. Nach der erotischen Kunst ufern wir noch einmal sprachlich aus. Die Möhre und ich fahren müde nach Haus.

Die Mädels hingegen haben noch bis in die Nacht – diesmal bis fünf Uhr -geplaudert. Am Sonntag, den 20. Juni 2004 geht es daher ein wenig später los. Das wechselhafte Wetter lässt kein Paddeln mit Madonnas Boot auf der Alster zu. Drum wandeln wir erst einmal über das Eppendorfer Stadtfest. Ich lasse mich von Madonna mit indischem Gemüse füttern. Dann geht’s zum Alstervorland – auf dem Lande geblieben, aber auf das Wasser geschaut – und das vorspeiseblonde Pöseldorf durchwandelt. Am Abend wollen wir essen gehen, aber Madonnas Mann Heinz will Fußball vorziehen. Ariadna gefällt das sehr, denn die schönen Portugiesen spielen und sie erreichen auch noch das Viertelfinale nach einem Sieg über Spanien. Kein langer Abend für mich, denn ich muss am Montag arbeiten.

Drei Damen vor der Außenalster

Doch Montag Abend stoße ich wieder dazu, am 21. Juni 2004. Wir haben Wein und enorm viel Nudeln, die für ein anschließendes Frühstück reichen. Wir haben eine lange Nacht. Christina und MVS werden gemeinsam administrativ, an einem Computer sozusagen und live. Virtuell ist spannend, ungeheuer sogar, aber das macht richtig Spaß. Ich bleibe, wozu gibt es Nachtbusse und Frühbahnen. Es geht bis halb fünf. Ich fahre kurz nach Dulsberg in meine Zweitwohnung und kehre schnell danach zurück um gar nichts zu verpassen.

Hafenkuß ;)

Es ist Dienstag, der 22. Juni 2004 und wir haben die Landungsbrücken auf dem Programm, nachdem Madonna mit den beiden Damen am Montag richtig auf dem Wasser war. Die Dessouschefin gibt mir am Hafen einen Salzwasserkuss und kauft sich maritime Kleidung. Dann ein abschließendes Essen im Portugiesenviertel, in dem die Russen eingefallen sind. Bei Tappas behauptet Ariadna, dass sie Busengrößen am Telefon erkennen kann. Und sie hat natürlich recht, denn Busen sind ja nicht hohl.

Christina und Madonna an Dienstag bei Madonna

Am Dammtor kommt es zum Abschied. Wie schnell verflog die Zeit, wie tief waren die Fußballerkenntnisse. Freunde, am Ende bin ich müde aber glücklich und der ICE bewegt sich wieder Richtung Augsburg.

24. Juni 2004

Fotos: Christina Schragner, Sigrid Kriener und MVS

Ebenso nachzulesen als MVS Kolumne hier

 

 

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